15.06.2021

Die Gottesdienstsituation in der Ev. Kirchengemeinde Tönisheide im Sommer 2021

Liebe Gemeinde,

herzliche Grüße von Pfarrer Wolfhard Günther und von mir.

Wir freuen uns darüber, dass wir seit 20. Juni 2021 wieder Sonntagsgottesdienste anbieten können. Die niedrigen Inzidenzzahlen haben es möglich gemacht, wieder verantwortlich Gottesdienst zu feiern. Ziel ist es, dass wir uns in unserem Gottesdienst-Handeln an der weiteren Corona-Situation orientieren.

Auch jetzt, Mitte Juli 2021, bleiben die bewährten Corona-Schutz-Maßnahmen für die Durchführung unserer Gottesdienste bestehen. Dazu gehört das Tragen einer OP-Maske, das Abstand- Halten und die Desinfektion der Hände am Eingang. In der Kirche gibt es ausgewiesene Sitzplätze auf Abstand, Eheleute und Familien können jedoch zusammensitzen.

Der Gemeindegesang ist nach wie vor untersagt, es ist jetzt jedoch wieder möglich einen Chor, eine Solostimme, zu hören. So hat unsere Organistin Petra Kubernus im Juli schon einige Male für uns im Gottesdienst Lieder gesungen und mit Gitarre begleitet.
Wir sind auch sehr dankbar für die Meditationen zu unseren Gemeindeliedern durch Hans-Georg Berenwinkel mit Hilfe der Monitore.
Wir sind froh, dass wir wieder gemeinsam eine Tasse Kaffee draußen vor der Kirche trinken können. Wir danken Küsterin Rosalie Zech für die gute Vorbereitung und Durchführung des Kirchencafés.

Eine große Freude war das Wiedersehen mit dem Posaunenchor am 11. Juli 2021 in der Kirche. Unter der Leitung von Peter Adams erklangen eindrucksvolle Choräle.

Wir hoffen darauf, dass sich die Corona-Lage stabilisiert.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Sommerzeit.

Herzliche Grüße
Detlef Schneider, Pfarrer

 

14.06.2021

Liebe Besucherin, lieber Besucher,

es ist Mitte Juni, und frühsommerlich-sonnig-warmes Wetter stimmt uns auf den vor uns liegenden Sommer ein.

Ich grüße Sie und Dich ganz herzlich!

Dieses Virus begleitet uns jetzt in unseren zweiten "Corona-Sommer".

Aber es hat schon viel von seiner Kraft und Macht verloren. Weil wir alle in und mit dieser Zeit sehr diszipliniert gelebt haben.

Um Andere und uns zu schützen.

Deshalb hat sich unser Presbyterium bisher auch immer wieder dafür ausgesprochen, auf Gottesdienste in unserer schönen Ev. Kirche auf Tönisheide zu verzichten.

Aber - im vergangenen Mai konnten wir dort schon sieben Konfirmationsgottesdienste feiern. Mit ganz viel Disziplin und guten Ideen.

Und jetzt - da die Inzidenzzahlen weiter gesunken sind - jetzt können wir endlich wieder auch zu unseren "ganz normalen" Sonntagsgottesdiensten einladen:

Ab nächsten Sonntag (20. Juni 2021) feiern wir wieder regelmäßig sonntags um 10.00h Gottesdienst. In unserer Kirche.


Herzlich willkommen - natürlich unter den (noch) aktuell geltenden Corona-Regeln: mit Abstand, Maske und Hand-Desinfektion.

Viele Grüße
Pfarrer Wolfhard Günther

 

20.05.2021

„Alles neu macht der Mai?“

Am nächsten Sonntag haben wir Geburtstag. Feiern Sie mit?
Feiern? Wie denn? Es ist doch „Corona“!
Feiern? Was denn? Die Kirche hat Geburtstag?
Unsere kleine Kirche auf Tönisheide? Nein, die ‚Kirche‘ allgemein, alles, was es auf der Welt an ‚Kirche‘ gibt, hat Sonntag Geburtstag.
Klingt seltsam, ist es auch.
Damals, am ersten Pfingstfest hat der Heilige Geist dafür gesorgt, dass die nach Karfreitag, Ostern und Himmelfahrt immer noch energie- und ratlosen Jünger aus ihren Wohnungen stürmten.
An Pfingsten, 50 Tage nach Ostern, hat Gott dafür gesorgt, dass die ursprüngliche Begeisterung für Jesus neuen Wind bekam und einen stabilen, äußeren Rahmen.
3000 Menschen ließen sich an diesem ersten Pfingsttag taufen.
So ist sie entstanden - die erste christliche Gemeinde, aus der dann später die Kirchen wurden.
Wo denn? Damals, in Jerusalem.

Und heute bei uns? Da feiern wir an Pfingsten wieder zwei Konfirmationsgottesdienste - „im engsten Familienkreis“.
Mit jeweils 3 Konfis und denen, die aus ihren Familien mit dabei sein dürfen – 10 Personen in der Kirche und zwei, drei Hände voll draußen, vor der Kirche.
Wir feiern. Wir feiern diese jungen Menschen, unsere Konfis. Wir feiern ihren Entschluss, ihr „Ja“ zu Gott zu sagen.
Die meisten mussten ein Jahr darauf warten - Corona machte es nötig.

Die vielen Brautpaare, die in diesem Mai in unserer Kirche heiraten wollten, warten immer noch auf bessere Zeiten. In denen sie wirklich auch feiern können.
Diese besseren Zeiten werden kommen, da bin ich mir ganz sicher!
Nur wann?
Genau wissen wir es nicht, wann wir wieder „normale“ Gottesdienste feiern können. Aber wir haben eine Ahnung, und wir freuen uns darauf.
Auch darauf, dass wir uns dann wieder auch in unserem Gemeindehaus treffen können.
Insofern steht dieser Mai 2021 vielleicht doch für einen Neuanfang.
Unser Gott ist dafür auf jeden Fall zu haben, er hat eine Menge Erfahrung mit Neuanfängen von uns Menschen.
Und er feiert immer wieder gerne mit - auch mit Ihnen und uns.

Bleiben Sie fest in Gottes Händen!

Ihr Pfarrer Wolfhard Günther

 

04.04.2021


Ostergottesdienst „Mir fällt ein Stein vom Herzen!“
- im zweiten Corona-Jahr 2021


Bitte stellen Sie die „Zutaten“ zum Ostergottesdienst bereit

Eine Kerze + Streichhölzer oder Feuerzeug
Ostereier
Pro Person einen kleinen (Kiesel)Stein, den man in die Hand nehmen kann


Musik-Link: „Gelobt sei Gott im höchsten Thron“
https://www.youtube.com/watch?v=yMMJsoiQHgI
(bitte eventuelle Werbung überspringen)


Der Gottesdienst beginnt

Die Kerze wird entzündet
Es ist Ostern. Es ist wieder Ostern. Und wieder ist es ein „anderes Ostern“. Hoffentlich nicht „alle Jahre wieder“ so!
Mein Lieblingsrestaurant ist geschlossen. Die meisten Geschäfte auch. „Home-Office“ und „Home-Schooling“. Eigentlich hätte ich schon längst wieder einmal einen Termin beim Zahnarzt machen müssen. Und mich bei all den Menschen entschuldigen, die ich auf der Straße nicht gegrüßt habe. Weil ich sie durch meine beschlagene Brille hinter ihren Masken nicht erkennen konnte.
„Wie geht es Dir?“ fragt mich ein Freund am Telefon. „Wir sind gesund, aber ziemlich genervt“ – seine Antwort sprach mir aus dem Herzen.
Ausnahmezustand - seit Wochen und Monaten. Die Haustür ist zu. Raus geht‘s nur für das Nötigste.
Ostern ist in diesem Jahr wieder „ganz anders“. Stimmt.
Aber es fällt nicht aus. Ostern ist trotzdem! Weil Gott das so wollte.
„Christ ist erstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.“ Auch 2021 gilt dieser uralte Ostergruß.
Gott sei Dank!


Musik-Link: „Wir wollen alle fröhlich sein“
https://www.youtube.com/watch?v=YFXczLPCm9k


Osterhasen bringen Ostereier

Hasen bringen Eier. Sogar gefärbte - oder die aus Schokolade. Das war nicht immer so. Genauer gesagt: Erst seit dem Mittelalter erfreuen sich besonders die Kinder an diesem Osterbrauch.
Damit Sie als Eltern jetzt in keinen Erklärungsnotstand kommen, falls Ihr Nachwuchs fragt, deshalb verrate ich es Euch: Vor vielen hundert Jahren waren die Bauern noch Leibeigene des Grundherrn. Sie mussten für das Land, das sie beackerten, bezahlen. Zahltag war in vielen Regionen im Frühjahr: an Ostern.
Die Schuldner fühlten sich wie die Hasen - sie wurden gehetzt, bis alles bezahlt war. Und wenn dann die Bauern ihre Schulden beglichen hatten, bekamen sie vom Grundherrn ein rotes Ei. Das rote Ei war das Zeichen, dass sie für dieses Jahr schuldenfrei waren.
Und weil sich die Bauern darüber so freuten, bemalten sie auch noch andere Eier. Und davon hatten auch die Kinder etwas, denn die Bauern verschenkten die bemalten Eier weiter. Auf diese Weise wurden die Eier zu Ostereiern.
Das passt gut zu Ostern. Denn Ostern ist die Geschichte, die beschreibt, wie Menschen ein Stein vom Herzen fallen kann.


Musik-Link: „Du meine Seele, singe“ https://www.youtube.com/watch?v=A1y4sNljlUU


Aus Psalm 118
Dankt dem Herrn, denn er ist gut, und seine Gnade hört niemals auf!
In auswegloser Lage schrie ich zum Herrn.
Da holte er mich aus der Bedrängnis heraus und schenkte mir wieder die Freiheit.
Der Herr ist auf meiner Seite, ich brauche mich vor nichts und niemandem zu fürchten.
Was kann ein Mensch mir schon antun?
Der Herr steht für mich ein und hilft mir.
Es ist viel besser, beim Herrn Schutz zu suchen, als sich auf Menschen zu verlassen, als mit denen zu rechnen, die mächtig und einflussreich sind.
Er hat mir Kraft gegeben und mich gerettet; nun kann ich wieder fröhlich singen.
Ich werde nicht sterben, sondern am Leben bleiben und erzählen, was der Herr getan hat!
Ich danke dir, Herr, denn du hast mich erhört! Du selbst hast mich gerettet.
Der Stein, den die Bauleute wegwarfen, weil sie ihn für unbrauchbar hielten, ist zum Grundstein des ganzen Hauses geworden!
Was keiner für möglich gehalten hat, das tut der Herr vor unseren Augen!
Diesen Freudentag hat er gemacht, lasst uns fröhlich sein und jubeln!
O Herr, hilf uns doch! Gib uns Gelingen!
Du bist mein Gott, dir will ich danken. Mein Gott, dich allein will ich ehren!
Preist den Herrn, denn er ist gut, und seine Gnade hört niemals auf!


Musik-Link: „Du bist heilig, du bringst Heil“ https://www.youtube.com/watch?v=XCNMPi8Kdm4


Gebet
Gott, es ist Ostern in verrückten Zeiten. Ich bin zu Hause. Scheinbar muss es so sein. Als hätte jemand auch vor unsere Haustür einen schweren Stein gerollt.
Wie lange wird das noch dauern? Wann kehrt das Leben endlich zurück? Wann zerbricht dieser Stein?
Keiner weiß das ganz genau. Aber Du, Gott, lässt mich hoffen. Du bist schon auferstanden. So kommen wir auch irgendwann wieder heraus. Amen.

Breaking News: So geht Ostern!
Am Abend, als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Salome und Maria, die Mutter von Jakobus, wohlriechende Öle, um den Leichnam von Jesus zu salben. Früh am Sonntagmorgen, gerade als die Sonne aufging, kamen die Frauen damit zum Grab. Schon unterwegs hatten sie sich besorgt gefragt: „Wer wird uns nur den schweren Stein vor der Grabkammer zur Seite wälzen?“ Umso erstaunter waren sie, als sie merkten, dass der riesige Stein nicht mehr vor dem Grab lag. Sie betraten die Grabkammer, und da sahen sie auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der ein weißes Gewand trug. Die Frauen erschraken sehr. Aber der Mann sagte zu ihnen: „Habt keine Angst! Ihr sucht Jesus aus Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist nicht mehr hier. Er ist auferstanden! Seht her, das ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte. 7 Und nun geht zu seinen Jüngern und zu Petrus und sagt ihnen, dass Jesus euch nach Galiläa vorausgehen wird. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch angekündigt hat.“ (Markus 16)


Musik-Link: „Er ist erstanden, Halleluja“ https://www.youtube.com/watch?v=glJHNsO86Kk


Lass den Profi transportieren!

Wenn Sie mögen, nehmen Sie nun den Kieselstein in Ihre Hand.

Der Stein von Jesu Grab ist weggerollt. Das Unvorstellbare ist passiert: da, wo Tod und Hoffnungslosigkeit waren, da ist nun Leben, keimt auf einmal neue Hoffnung. Da, wo das Ende dieser ganz besonderen Geschichte Gottes mit den Menschen gekommen schien, da geht’s weiter – unerwartet, unverhofft, unbegreiflich.
Kaum zu glauben: der Stein ist weg. Wahnsinn!
Gott hat nicht nur den Stein vom Grab gerollt, Gott hat den Tod überrollt, er hat den Tod von unserem Leben genommen. Die Frauen können es kaum glauben, sie staunen: der Tod ist nicht mehr das Letzte. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort, die letzte Macht.
Der Stein des Todes, der so schwer und mächtig auf unserem Leben lastet, wird auf einmal leicht.
Gottes Liebe lässt sich nicht unter Verschluss noch so mächtiger Steine bringen, auch der Tod kann dieser Liebe zu uns kein Ende machen.
Der Stein des Todes, der Stein des Leides wird weggerollt und wird zum ersten Stein in einer neuen und zugleich alten Geschichte zwischen Gott und uns Menschen: der unendlichen Geschichte seiner Liebe.
Es ist von Ostern an wirklich eine unendliche Geschichte, denn wir dürfen die Hoffnung haben, dass diese Geschichte nie zu Ende geht und wir nach unserem Tod bei Gott in Ewigkeit weiterleben werden. Aber bis dahin dauert es ja hoffentlich noch eine Weile.
Und jetzt? So wie der Stein vom Grab weggerollt wurde, so will Gott auch in unserem Leben die Steine wegrollen.
Die Steine, die uns das Leben schwer machen.
Die Steine, die uns zum Weinen bringen.
Die Steine der Trauer, des Schmerzes, des Leidens.
Jeder und jede von uns, auch die Kinder schleppen solche Steine mit sich herum. Und manche Steine drücken uns ganz ordentlich.
Wir haben das Gefühl, diese Steine nie loszuwerden.
Heute ist Ostern, und an Ostern gibt uns Gott das Versprechen, die Steine aus unserem Leben wegzurollen. Wirklich? Wann denn? Wie denn?


Musik-Link: „Awesome God“ (Michael W. Smith)
https://www.youtube.com/watch?v=D2BXeZCDTgA


Schutt abladen erlaubt!
Noch immer haben wir den Stein, der uns belastet, in der Hand. So ein Stein wiegt schwer, drückt auf Körper und Seele. Steine können einen im wahrsten Sinne des Wortes be-drücken, er-drücken, auch er-schlagen.
Seit Ostern ist die Macht dieser Steine kleiner geworden, denn Gott will sie auch in unserem Leben wegrollen, zur Seite schieben.
Deshalb fällt uns ja auch ab und zu ein Stein vom Herzen.
Wir wissen, dass uns letztendlich nicht der Tod, sondern das Leben blüht - das ewige Leben. Ein Leben, in dem Krankheit und Tod, Gewalt und Hass nicht mehr vorkommen.
Uns fällt ein Stein vom Herzen, weil die Liebe stärker ist.
Klar, das weiß ich theoretisch. Und praktisch?
Ostern heißt: Gott will Dir immer wieder die Steine Deines Lebensalltags aus dem Weg räumen.
Wir brauchen uns selbst keine Steine mehr in den Weg zu legen. Wir haben es auch gar nicht mehr nötig, anderen Menschen Steine vor die Füße zu werfen, um selbst im Leben weiterzukommen.
Anstatt uns gegenseitig Steine in den Weg zu legen, will Gott uns dazu befreien, diese Steine wegzuräumen und gemeinsam aus diesen Steinen Häuser zu bauen.
Häuser, in denen die Hoffnung wohnt, dass Menschen liebevoll und verständnisvoll miteinander umgehen, weil Gott uns die Kraft dazu gibt.
Häuser, in denen die Hoffnung wohnt, dass Menschen sich gegenseitig helfen und vertrauen. Und die Hoffnung, dass Frieden auf Erden werden kann.
Und damit Dir heute, an Ostern 2021, auch wirklich ein richtiger Stein vom Herzen fällt, bist Du eingeladen, den Stein in Deiner Hand mit dem, was Dir das Leben schwer und traurig macht, wegzuwerfen.
Nein, nicht jetzt sofort. Zu gefährlich!
Aber wie wär’s? Nachher oder morgen beim Osterspaziergang - oder in den nächsten Tagen und Wochen den Stein einfach in den Wald, einen Bach, Fluss oder See zu werfen? Möglichst weit weg!
Ostern heißt, dass Gott die Steine aus unserem Leben wegrollen will.
Aber wir müssen ihn auch lassen. Wir müssen es auch wirklich wollen! Zum Werfen gehört schon auch ein Stückchen Mut.


Musik-Link: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“
https://www.youtube.com/watch?v=9-UJdeH3SaM


So schmeckt Ostern!
Ostereier - das sind Zeichen des Lebens. Die roten und die blauen, die gelben und die grünen. Und auch die aus Schokolade.
Eier sind Zeichen des Lebens. Von außen glatt und hart. Und innen drin steckt die Zukunft. Von außen sehen sie wie tot aus - aber von innen bahnt sich das Küken seinen Weg durch die Schale - hinein ins Leben.
Aus dem Tod kommt das Leben. Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist auferstanden!
Das Osterei schmeckt nicht nach Tod. Das Osterei schmeckt nach Leben.
Immerhin gibt es sie, die Ostereier - auch im zweiten Corona-Jahr.
Und irgendwann… Irgendwann zerbricht auch der Stein, der vor unserer Haustür liegt. Das Virus verschwindet. Und unser Leben kehrt zurück.
Besuche und Umarmungen. Menschen im Café. Und Essen im Restaurant. Das Toilettenpapier liegt in den Regalen. Das Osterei schmeckt nach Leben nach dem Tod. Und wir stehen alle wieder auf. Amen.

Bitte essen Sie jetzt ein Osterei.


Musik-Link: „Wo Menschen sich vergessen – da berühren sich Himmel und Erde“
https://www.youtube.com/watch?v=PqORgwvh8lA


Fürbitten
Gott, wir beten für alle, die sich in diesen Tagen wie begraben fühlen - lass sie das Leben spüren, lass sie auferstehen.
Gott, wir beten für alle, die in diesen Wochen Angst haben - dass sie gegen die Angst hoffen, lass sie auferstehen.
Gott, wir beten für alle, die diesen Wochen gestorben sind - lass sie auferstehen.
Gott, wir bitten Dich für uns - für alles, was wir auf dem Herzen haben, lass uns auferstehen.

Vater Unser
Vater Unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen
Der Herr segne und behüte Dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und gebe Dir Frieden. Amen.


Musik-Link: „Großer Gott, wir loben dich“
https://www.youtube.com/watch?v=PsERP5OkLEs


Euch allen frohe Ostern!
Pfarrer Wolfhard E. Günther, Ev. Kirchengemeinde Velbert-Tönisheide, 04.04.2021

 

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02.04.2021

Gottesdienst an Karfreitag, 2.4.2021
von Pfarrer Detlef Schneider

Einleitende Worte:
Wir mögen das Leid nicht.
Nicht bei uns, nicht bei anderen.
Wir gehen ihm lieber aus dem Weg.
Heute, am Karfreitag, halten wir stand,
gehen zum Kreuz.

Wir erinnern uns heute an Jesu Tod.
Aber in Wahrheit geht es nicht um Tod,
sondern um Leben.
Leben aus dem Tod,
aus SEINEM Tod.
Und das ist Evangelium – gute Nachricht

Pfarrer: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn.

Psalm 22  
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Du aber bist heilig,
der du thronst über den Lobgesängen Israels.
     Unsere Väter hofften auf dich;
     und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
Zu dir schrien sie und wurden errettet,
sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.
     Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;
     denn es ist hier kein Helfer.
Aber du, Herr, sei nicht ferne;
meine Stärke, eile, mir zu helfen!

Gebet:
Gott, dein Sohn ist gestorben.
Es war kein einfacher Tod,
wie wir ihn uns wünschen.
Es war ein Tod voller Schmerzen,
und am liebsten würden wir hinweggehen über den Karfreitag,
uns jetzt schon »Frohe Ostern« wünschen
und uns freuen am aufbrechenden Frühling.

Dabei haben wir selbst schon Kreuzwege gehen müssen, sind lebendig schon Tode gestorben.
Wir wissen, was Leiden heißt.
Wir wissen auch, was Schuld heißt
und wie Schuld ins Leid führt.
Wir waren schon schuld daran, dass andere gelitten haben, auch wir selbst leiden immer wieder unter uns.

Wir wollen heute vor dem Kreuz aushalten,
nicht davonlaufen,
sondern uns seiner tiefen Kraft aussetzen,
die unser Leben will.
Amen.


Matthäus Passion: Herzliebster Jesu
https://www.youtube.com/watch?v=4oeiQ6A848g


Lesung: Mk 15, 20b-39

Jesu Kreuzigung und Tod

Und sie führten ihn hinaus, dass sie ihn kreuzigten.
21Und zwangen einen, der vorüberging, mit Namen Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater des Alexander und des Rufus, dass er ihm das Kreuz trage.
22 Und sie brachten ihn zu der Stätte Golgatha, das heißt übersetzt: Schädelstätte.
23 Und sie gaben ihm Myrrhe in Wein zu trinken; aber er nahm's nicht.
24 Und sie kreuzigten ihn. Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los, wer was bekommen solle.
25 Und es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.
26 Und es stand über ihm geschrieben, welche Schuld man ihm gab, nämlich: Der König der Juden.
27Und sie kreuzigten mit ihm zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken.
28Und die vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Ha,der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen,
30 hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuz!
31 Desgleichen verspotteten ihn auch die Hohenpriester untereinander samt den Schriftgelehrten und sprachen: Er hat andern geholfen und kann sich selber nicht helfen. 32 Ist er der Christus, der König von Israel, so steige er nun vom Kreuz, damit wir sehen und glauben. Und die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn auch.
33 und zur sechsten Stunde kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.
34 und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
35 Und einige, die dabeistanden, als sie das hörten, sprachen sie: Siehe, er ruft den Elia.
36 Da lief einer und füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr, gab ihm zu trinken und sprach: Halt, lasst sehen, ob Elia komme und ihn herabnehme!
37 Aber Jesus schrie laut und verschied.
38 Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus. 39 Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!


Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinab gestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen.


O Haupt voll Blut und Wunden


1. O Haupt voll Blut und Wunden,
voll Schmerz und voller Hohn,
o Haupt, zum Spott gebunden
mit einer Dornenkron,
o Haupt, sonst schön gezieret
mit höchster Ehr und Zier,
jetzt aber hoch schimpfieret:
gegrüßet seist du mir!

2. Du edles Angesichte,
davor sonst schrickt und scheut
das große Weltgewichte:
wie bist du so bespeit,
wie bist du so erbleichet!
Wer hat dein Augenlicht,
dem sonst kein Licht nicht gleichet,
so schändlich zugericht’?

3. Die Farbe deiner Wangen,
der roten Lippen Pracht
ist hin und ganz vergangen;
des blassen Todes Macht
hat alles hingenommen,
hat alles hingerafft,
und daher bist du kommen
von deines Leibes Kraft.

Text: Paul Gerhardt 1656 nach »Salve caput cruentatum« des Arnulf von Löwen vor 1250
Melodie: Hans Leo Hassler 1601; geistlich Brieg nach 1601, Görlitz 1613 »Herzlich tut mich verlangen« (im Regionalteil Nordelbien Nr. 641


Predigt

Liebe Gemeinde,
der Karfreitag ist für viele Christen bzw. Christinnen kein einfacher Tag:
Wir denken an Jesus, der am Kreuz gestorben ist. Und doch kommen Fragen auf: Warum musste Jesus leiden, um die Welt zu retten?  Warum musste er diesen Weg gehen? Warum musste Jesus als der Gerechte leiden?
Der Prophet Jesaja hat ein Lied über den sog. Gottesknecht überliefert, der zwar nicht mit Jesus identisch ist aber viele Gemeinsamkeiten mit dem Jesusbild des Neuen Testamentes aufweist:

Wir hören aus Jesaja 53:

53.1 Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des HERRN offenbart?

2 Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte.

3 Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.

4 Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.

5 Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

6 Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.  Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.

8 Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volks geplagt war.

9 Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.

Das Lied vom Gottesknecht berichtet von einem Antihelden: „Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte."
Doch die Herabsetzung des Knechtes geht noch weiter:
„Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.“
Herabsetzung - da denke ich an Menschen, die von unserer Gesellschaft ins Abseits gestellt werden:

- Ich denke an Obdachlose, die schlafend mit Bier übergossen werden, die getreten und geschlagen werden, weil man sie nicht mag.
- Ich denke an Schwerstbehinderte, vor denen viele Zeitgenossen ihr Angesicht verbergen, weil sie nur die Welt der Schönen und Tüchtigen kennen.

Doch seit einem Jahr ist eine weitere Gruppe hinzugekommen, die abseits leben bzw. gelebt haben:
o Die Corona -Toten weltweit.
o Die Menschen, deren verstorbene Angehörige in Bergamo und New York in einem Massengrab beerdigt werden mussten.  
o Senioren, die alleine in ihren Zimmer waren.
o Hilflose Kinder, die ihre Eltern im Krankenhaus nicht besuchen durften.
o Corona Erkrankte, die ohne Angehörige mit dem Tod ringen mussten.

Das Leiden der Menschen, die an Corona gestorben sind, kommt uns besonders an Karfreitag nahe, da wir an diesem Tag grundsätzlich nach dem Sinn des Leidens fragen. Wir wissen, dass es darauf keine Antwort gibt und dennoch erinnern wir uns an die Momente in unserem Leben, die leidgefüllt waren.
Also:
Was waren Ihre persönlichen Karfreitage, Klagetage, Trauertage?
-   Ich erinnere mich an meine Scharlacherkrankung als Grundschüler: Ich hatte jeden Tag sehr hohes Fieber. Es gab noch keine Medikamente wie heute. Damals befremdete mich das Personal des Gesundheitsamtes, das mit Maske ins Zimmer kam, mit Sagrotan reinigte. Alles musste desinfiziert werden. Meine Mitschüler/innen sah ich 6 Wochen nicht. Damals konnte ich noch nicht begreifen, in welcher Lebensgefahr ich gewesen war.
-   Später als Erwachsener wurde es bei mir Karfreitag, als meine Eltern unmittelbar nacheinander starben. Innerhalb von 8 Tagen stand ich zweimal an derselben Grabstätte, um zuerst meine Mutter dann meinen Vater zu verabschieden. Wo ist da der Sinn? Wo war da der Gott, der meinen Weg begleitet hatte und der mich liebte?
In der Trauer einen Sinn zu sehen, das ist zumindest aus der Nähe nicht möglich.

Ganz anders unser Gottesknechtslied: Es sieht Sinn im Leiden seines Knechtes. Sein Auftrag lautet: Ich leide für andere, ich leide für die Vielen:  
4 Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.
Der Knecht leidet, aber die Bevölkerung sah im Alten Testament im Leiden und in der Krankheit eine Strafe Gottes.
Und doch führt uns das Lied vom Gottesknecht zum Kreuz Jesu.
Denn wie der Gottesknecht ist Jesus
um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.
Einer nimmt alles auf sich, damit die anderen frei sind. Einer opfert sich, damit wir Menschen  gerettet werden können.
Das erinnert uns an Jesus, an seinen Weg zum Kreuz. Wir können es nicht verstehen, wieso Gott keinen anderen Weg gefunden hat uns zu lieben als seinen Sohn für uns zu opfern. Wir erahnen die Gnade, und doch schütteln wir den Kopf: Warum muss Gott seinen Sohn opfern, um uns zu retten?
Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.
Diese Worte kennen wir aus den Evangelien. Jesus hat sich auf die Seite der Opfer gestellt, die ohnmächtig vor den Machthabern stehen. Ich denke dabei an die Demonstranten in Honkong, in Myanmar und an die Bootsflüchtlinge im Mittelmeer. Jesus ist den Gewalttätern mit Sanftmut begegnet. Statt Legionen von Engeln zu rufen, hat er sich gefangen nehmen und ans Kreuz schlagen lassen bis er aus dem Lande der Lebendigen weggerissen wurde.
Das Lied vom Gottesknecht zeigt: Er kennt alles Leiden und hat sich auf unsere Seite gestellt. Und das gilt auch für Jesus: In seinem Tod ist Gottes Liebe uns ganz nahe gekommen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.


Nun gehören unsere Herzen
 
(666) Nun gehören unsre Herzen
https://www.youtube.com/watch?v=mCRILfJVX-E&list=RDmCRILfJVX-E&start_radio=1

1. Nun gehören unsre Herzen
ganz dem Mann von Golgatha,
der in bittern Todesschmerzen
das Geheimnis Gottes sah,
das Geheimnis des Gerichtes
über aller Menschen Schuld,
das Geheimnis neuen Lichtes
aus des Vaters ewger Huld.

2. Nun in heilgem Stilleschweigen
stehen wir auf Golgatha.
Tief und tiefer wir uns neigen
vor dem Wunder, das geschah,
als der Freie ward zum Knechte
und der Größte ganz gering,
als für Sünder der Gerechte
in des Todes Rachen ging.

3. Doch ob tausend Todesnächte
liegen über Golgatha,
ob der Hölle Lügenmächte
triumphieren fern und nah,
dennoch dringt als Überwinder
Christus durch des Sterbens Tor;
und die sonst des Todes Kinder,
führt zum Leben er empor.

4. Schweigen müssen nun die Feinde
vor dem Sieg von Golgatha.
Die begnadigte Gemeinde
sagt zu Christi Wegen: Ja!
Ja, wir danken deinen Schmerzen;
ja, wir preisen deine Treu;
ja, wir dienen dir von Herzen;
ja, du machst einst alles neu.

Text: Friedrich von Bodelschwingh 1938
Melodie: Richard Lörcher (1946) 1949
Andere Melodie: O Durchbrecher aller Bande


Fürbittengebet


Herr, unser Gott,
du hast deinen Sohn nicht bewahrt vor dem Leiden und Sterben.
Angesichts des unendlichen Leidens der Menschen dieser Welt sind wir sprachlos und erschüttert.
Nur du kennst den Sinn und hast uns diesen im Leidensweg deines Sohnes verheißen:
Er hat die Schmach des Kreuzes auf sich genommen,
hat dadurch das Böse besiegt
und neues Leben gebracht für alle, die sich ihm anschließen.
Wir danken dir für deinen Sohn.
Stärke uns mit neuer Hoffnung,
Darum bitten wir dich durch Christus,
der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit.


Vater unser


Segen

Der Herr segne und behüte dich
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen.  


Lied: Korn, das in die Erde

1. Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt -
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

2. Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

3. Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn -
hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Text: Jürgen Henkys (1976) 1978 nach dem englischen »Now the green blade rises« von John Macleod Campbell Crum 1928, Melodie: »Noël nouvelet« Frankreich 15. Jh.


Orgelnachspiel

 

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Passionsandachten mit Bildern von Sieger Köder

In der Passionszeit möchte ich Ihnen vier Kreuzwegbilder des Malers Sieger Köder vorstellen und über das Leiden Jesu und das Leiden in unserer Welt nachdenken. Die Passionsandachten werden immer freitags bis Karfreitag auf dieser Homepage erscheinen. Ihr Pfarrer Detlef Schneider

29.3.2021

4. Passionsandacht: Jesus stirbt am Kreuz

Aus Markus 15:
Und es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.
Und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: „Eli, Eli, lemoi sabachtani?“ Das heißt übersetzt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Und Jesus schrie laut und verschied.
Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus.

Bild 4: Sieger Köder, Bensberger Kreuzweg: Jesus stirbt am Kreuz, XII. Station
© Sieger Köder-Stiftung Kunst und Bibel, Ellwangen
www.verlagsgruppe-patmos.de/rights/abdrucke

Durch einen geöffneten Vorhang schauen wir hinaus in die Dunkelheit auf den gekreuzigten Jesus. Er weist starke Spuren von Folter und Misshandlung auf und ist mit einem Strick gebunden. Sein Kopf ist in den Nacken gefallen, sein Gesicht ist in der Dunkelheit kaum erkennbar. Sein entblößter Körper ist totenblass, er ist übersät mit Wunden, aus denen Blut strömt. Besonders an Jesu linkem Oberkörper befindet sich eine große Wunde in der Nähe seines Herzens aus der viel Blut herausquillt.
Aber dieser Gekreuzigte scheint nichts mehr Lebendiges aufzuweisen, er wirkt wie tot. Er wird nur noch gehalten durch seine Fixierung am Kreuz, worauf seine nach links und rechts hochgezogenen Arme hindeuten. Unter ihm knien links ein Jünger und rechts zwei Frauen. Während der Jünger ein wenig hoffnungsvoll in den Himmel schaut, scheinen die Frauen überwältigt von der Trauer um Jesus zu sein. Handelt es sich bei den beiden Frauen um Jesu Mutter Maria und um Maria Magdalena?
Die Kulisse der Kreuzigung ist anders als sonst. Und bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass der Vorhang, der im Tempel zerrissen ist, gar nicht aus Stoff, sondern aus Pergament besteht. Und Jesu letzte Worte sind geheimnisvoll in hebräischer Sprache auf dieses Pergament geschrieben: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“

Beim Betrachten des Bildes spüre ich: Dieser Gekreuzigte schockiert mich. Er verstört den Betrachter, die Betrachterin.

Sieger Köder scheint den Kreuzestod Jesu mit Hilfe des Passionsberichtes von Markus: „Und Jesus schrie laut und verschied. Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus“ zweifach neu zu deuten:

Die erste Deutung hat mit dem Vorhang zu tun, der im Tempel zerrissen ist, als Jesus starb. Dieser Vorhang, durch den wir bei Sieger Köder auf den Gekreuzigten schauen, zeigt an: Seit dem Jesus am Kreuz gestorben ist, gibt es keine Trennung mehr zwischen Gott und uns Menschen. Der Vorhang ist geöffnet: Jesus ist nun draußen in der Welt, bei seinen Jüngern und Jüngerinnen. Er ist bei uns Menschen und kennt all unser Leid. Er weiß auch um unsere derzeitigen Ängste und Sorgen in Zeiten der Pandemie.

Die zweite Deutung des Todes Jesu bezieht der Maler auf das Zitat im Markusevangelium von Psalm 22,2: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“ Die Worte stehen mit Hebräischen Buchstaben auf dem Vorhang und zeigen, dass auch Jesus die Gottesferne kannte. Die Warum-Frage richten wir an Gott, wenn wir nicht mehr aus noch ein wissen. Sie ist ein Ausdruck großen Zweifels und des Gefühls der Verlassenheit von Gott.
Doch Sieger Köder bleibt im Angesicht der Kreuzigung nicht beim „Warum?“ stehen. Jesus stirbt, aber seine treuesten Anhänger/innen sind bei ihm. Seine Mutter, Maria Magdalena und ein Jünger beten inständig für ihn. Das Bild enthält das, was Christsein ausmacht, nämlich füreinander da Sein, gemeinsam Hoffen und Beten.

Pfarrer Detlef Schneider

 

22.3.2021

3. Passionsandacht: Jesus wird seiner Kleider beraubt

Und sie kreuzigten ihn. Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los, wer was bekommen solle. (Markusevangelium 15,24)

Bild 3: Sieger Köder, Bensberger Kreuzweg: Jesus wird seiner Kleider beraubt,
X. Station © Sieger Köder-Stiftung Kunst und Bibel, Ellwangen
www.verlagsgruppe-patmos.de/rights/abdrucke

Jesus schaut uns leidend an, hinter seinem Kopf sehen wir ein riesiges schwarzes Loch, das einer Sonnenfinsternis ähnelt. Jesus ist erschöpft und zerschlagen, wie an seinem entblössten Oberkörper zu sehen ist. Jesus ist leicht gekrümmt, seine Arme hängen herunter. Sein Leib ist mit Blutstriemen übersäht.

Vor ihm halten drei Personen ein großes weißes Tuch fest, den Leibrock Jesu, um den die Soldaten laut der Schrift gelost haben.
Am linken Rand sehen wir einen orthodoxen Priester, erkennbar an seinem gelb-ockeren Gewand und seiner schwarzen zylinderförmigen Kopfbedeckung. Er meditiert und hält gleichzeitig den Leibrock Jesu gewissenhaft fest.
Unter dem orthodoxen Priester ist ein evangelischer Pfarrer im schwarzen Talar zu sehen, der allein für sich betet, dabei aber mit beiden Händen am Leibrock Jesu zieht. Dem protestantischen Geistlichen gegenüber steht in der rechten unteren Ecke ein katholischer Bischof im roten Gewand, ebenfalls versunken in seiner eigenen Frömmigkeit und die Hände am Tuch.
Über dem katholischen Bischof ragt ein Arm mit einer Faust in das Bild hinein. Sie gehört einem Revolutionär, der eine blutrote Fahne schwenkt und sich für christliche Werte einsetzt.

Sieger Köder stellt das Wort aus Markus 15,24 „Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los, wer was bekommen solle.“ in einen neuen Kontext. Es sind nicht die Soldaten, sondern die Vertreter der christlichen Kirchen, die alle etwas von Jesu Leibrock haben wollen. Sie beanspruchen die religiöse Wahrheit je für sich und berufen sich dabei auf Christus. Dadurch tragen sie dazu bei, dass es zu einer erneuten Kreuzigung Jesu kommt, erkennbar in dem Kreuz in Jesu Gewand. Kreuzesnachfolge geschieht aber nicht durch das Separieren im Glauben, sondern durch die Gemeinschaft unter dem Wort Gottes.

Doch das Bild von Sieger Köder verkündet noch eine andere Wahrheit:
Der Kontrast zwischen dem entblössten Oberkörper Jesu im oberen Teil des Bildes und der Stofffülle im unteren Teil des Bildes, ist ein Fingerzeig des Künstlers. Obwohl Jesus auf seinem Kreuzweg nackt und bloß war, sind wir als nachfolgende Kirchen reich und mit vielen Annehmlichkeiten und einigem Luxus ausgestattet.
Dagegen hält uns Sieger Köder ein auf Jesus bezogenes Christsein vor Augen: Christsein heißt, wie Christus das Kreuz auf sich zu nehmen und ihm nachzufolgen. Nur der hat Gemeinschaft mit Jesus, der das Kreuz auf sich nimmt.

Pfarrer Detlef Schneider

 

12.3.2021

2. Passionsandacht: Simon von Kyrene

Und zwangen einen, der vorüberging, mit Namen Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater des Alexander und des Rufus, dass er ihm das Kreuz trage. Mk 15,21

Bild 2: Sieger Köder, Bensberger Kreuzweg: Simon von Cyrene, V. Station
© Sieger Köder-Stiftung Kunst und Bibel, Ellwangen
www.verlagsgruppe-patmos.de/rights/abdrucke

Auf dem Bild schauen uns Simon und Jesus an, wie sie gemeinsam den Querbalken des Kreuzes tragen. Das Markusevangelium berichtet, dass Simon von Kyrene gerade als er vom Feld kam, dazu gezwungen wurde, das Kreuz für Jesus zu tragen. Auf dem Bild von Sieger Köder sieht man jedoch in der Mimik des Simon kein Anzeichen von Zwang. Beide schauen sehr optimistisch und strahlen eine große Harmonie aus. Diese wird besonders Positionierung der Hände verstärkt: Mit der rechten bzw. linken Hand halten sie jeweils den Balken über ihnen fest und umfassen mit der linken bzw. rechten Hand die Taille des anderen.
Durch die große Ähnlichkeit ihrer Gesichter und Bärte wirken sie wie Zwillinge, die man nur durch die Farbe ihrer Kleidung, blau und rot und ihren unterschiedlichen Teint auseinanderhalten kann: Simons Gesichtsfarbe ist braun als Hinweis auf seine afrikanische Herkunft, Jesu Angesicht ist weiß als Hinweis auf sein Leiden.

Im Bild von Sieger Köder ist der Auftrag des Simon von Kyrene, das Kreuz Jesu zu tragen, nicht nur ein Job, sondern ein Seelsorgeauftrag. Hier geht es nicht nur um Körperkraft, sondern um das Mittragen des Leidens im Angesicht des Todes. Auf Augenhöhe darf Simon Jesus begegnen. Bald werden Simon und Jesus Zwillinge im Leiden.

Auch in der Pandemie geht es um das Thema: „Leiden“.
Es sind zu viele Tote, die wir seit einem Jahr zu beklagen haben. Es sind zu viele Einschränkungen, die für uns alle zu verkraften gewesen sind. Es gibt zu viel Frust und Trauer in allen Generationen. Aber wie können wir heute dem Beispiel des Simon von Kyrene folgen und für andere Menschen das Kreuz mittragen? Ich denke z.B. an Hochrisikopatienten, die noch nicht geimpft sind. Wir könnten ihnen beim Einkaufen helfen. Ich denke an einsame Menschen: Wir könnten sie anrufen und uns Zeit für ein Gespräch zu nehmen, in dem wir dem Anderen zuhören.
Beim Mittragen des Kreuzes fallen mir auch Leute aus der Wirtschaft ein: Die kleine Einzelhändlerin, die nicht mehr weiß, wie es weiter gehen soll. Wir könnten ihre Sorgen ernst nehmen und ihnen Mut machen.
Sieger Köder stellt Simon als Mitleidender dar, es geht ihm um gelebte Solidarität und um ein gemeinsames Ertragen von Leid.

Pfarrer Detlef Schneider

 

5.3.2021

1. Passionsandacht: Der Prozess Jesu

15 1 Und alsbald am Morgen hielten die Hohenpriester Rat mit den Ältesten und Schriftgelehrten und dem ganzen Hohen Rat, und sie banden Jesus, führten ihn ab und überantworteten ihn Pilatus.
2 Und Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Er aber antwortete und sprach zu ihm: Du sagst es. 3 Und die Hohenpriester beschuldigten ihn hart.
4 Pilatus aber fragte ihn abermals: Antwortest du nichts? Siehe, wie hart sie dich verklagen! 5 Jesus aber antwortete nichts mehr, sodass sich Pilatus verwunderte.

Bild 1: Sieger Köder, Jesus wird zum Tode verurteilt, I. Station
© Sieger Köder-Stiftung Kunst und Bibel, Ellwangen
www.verlagsgruppe-patmos.de/rights/abdrucke

Verkehrte Welt! Der Maler Sieger Köder scheint die Machtverhältnisse in der Passionsgeschichte zu verschieben. Während der Angeklagte, nämlich Jesus, aufrecht steht und wie ein mächtiger Fels aus dem Vordergrund herausragt, wirken die eigentlichen Machthaber, der Hohepriester Kaiphas und der Statthalter Pilatus wie kleine Randfiguren. Sie sehen regelrecht kläglich aus: Links von Jesus sehen wir den Hohepriester Kaiphas, der seine Gesetzesrollen krampfhaft festhält, rechts den Statthalter Pilatus, der apathisch seine Hände in Unschuld wäscht.

Sieger Köder malt uns einen Jesus, der keine Angst vor seinen Richtern hat und nicht gebückt vor seine Richter tritt, sondern aufrecht stehen bleibt. Der Maler Sieger Köder scheint damit das bekannte Jesusbild aus den Passionsgeschichten des Neuen Testamentes zu verlassen: Der neutestamentliche Jesus ist in der Opferrolle, lässt alles über sich ergehen, steht in der Tradition von Jesaja 53,7: „Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.“
Aber wer ist Jesus für uns heute und welchem Jesusbild wollen wir als Christen/innen heutzutage nachfolgen?
Sieger Köder hat eine Botschaft an uns: Er zeichnet einen starken Jesus, der hoch erhobenen Hauptes vor seinen Richtern steht und möchte, dass auch wir uns in schwierigen Situationen nicht wegducken, sondern aufrecht bleiben.

Blicke ich zurück auf christliche Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, dann fallen mir die Namen Dietrich Bonhoeffer und Sophie Scholl ein.

In seinem Gedicht: „Wer bin ich?“, das er im Gefängnis geschrieben hat, charakterisiert Dietrich Bonhoeffer sich selbst als standfest.
Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich träte aus meiner Zelle gelassen und heiter und fest, wie ein Gutsherr aus seinem Schloß.
 Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich spräche mit meinen Bewachern 
frei und freundlich und klar, als hätte ich zu gebieten. (aus: Widerstand und Ergebung. Aufzeichnungen aus der Haft. DBW BD. 8 Taschenbuchausgabe, Gütersloher Verlagshaus,  Gütersloh 2011) Dietrich Bonhoeffer blieb seinem Glauben treu bis zu seiner Ermordung im KZ Flossenbürg am 9.4.1945.

Auch Sophie Scholl war ein Vorbild für ein aufrechtes Gehen in Form des intellektuellen Widerstandes gegen das Naziregime. Nach ihrer Flugblattaktion im Rahmen der Gruppe: „Die Weiße Rose“ in der Uni in München war sie mit ihrem Bruder Hans Scholl und Freunden verhaftet worden. Im anschließenden Prozess bot man ihr an, die Schuld von sich zu weisen, aber sie blieb standhaft und nahm alle Vorwürfe auf sich um die anderen zu schützen. Sie tat das, was sie zwei Tage vorher angekündigt hatte: „Es sind so viele Menschen, die für dieses Regime gefallen sind. Es wird Zeit, dass jemand dagegen fällt.“

Der Jesus, den ich in dem Bild von Sieger Köder sehe, steht aufrecht vor seinen Richtern und ruft uns zu: Behaltet Euch auch in schwierigen Situationen Euren aufrechten Gang!

Pfarrer Detlef Schneider


2.3.2021

Vesperkirche 2021– Unterstützung in Corona Not
https://vesperkirche-niederberg.ekir.de/vorschlagen/

 

 


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Silvester: Weihnachtsvorrat für 2021
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Silvester 2020

2020 ist vorbei.
Haben Sie gerade „Zum Glück!“ gedacht oder gemurmelt? Wäre ja möglich…
Die junge Frau, deren beide Elternteile in diesem Jahr gestorben sind, fand noch eine ganz andere Bezeichnung für dieses Jahr…

2020 ist vorbei.
Nicht alle, aber manche Probleme, die uns dieses Jahr gebracht hat, nehmen wir mit.
Damit wir sie im nächsten Jahr lösen. Oder im übernächsten Jahr.

2020 ist vorbei.
Gott sei Dank - wir können es abgeben. An Gott. Dieses Jahr und die ganze Last dieses Jahres.
Tun wir’s: geben wir „2020“ an Gott zurück. Bei ihm ist es gut aufgehoben.

2020 ist vorbei.
Und 2021 wartet auf uns. Nehmen wir es an - die Zukunft wartet. Und Gott auch.
„Danke, Gott, dass Du mit mir in dieses neue Jahr gehst.“

Musik-Link: „Von guten Mächten“ https://www.youtube.com/watch?v=o3S6EXKsvTY

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Psalm 23: „Der gute Hirte“
Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein
Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des
HERRN immerdar.

Musik-Link: „Abend ward, bald kommt die Nacht“ https://www.youtube.com/watch?v=QWfUR32OYXk

Gebet
Vater, das Jahr 2020 ist Geschichte.
Viel ist in diesem Jahr geschehen.
Danke, wenn wir momentan frei von Sorgen und guter Laune sind.
Manche von uns sind aber froh, dass dieses Jahr jetzt zu Ende ist, denn sie haben Schlimmes erlebt.
Vieles, was uns belastet, ist immer noch nicht geklärt.
Wir bitten dich um dein Erbarmen.
Herr, unser Gott, du schenkst uns Zeit, zurückzublicken, und du schenkst uns Zeit, nach vorne zu
schauen. Lass uns jetzt, an der Schwelle zu einem neuen Jahr, begreifen, dass du es bist, dem wir
grenzenlos vertrauen können. Stärke unseren Glauben und unser Vertrauen.
Und das bitten wir dich, der du uns und unsere Zeit in deinen Händen hältst. Amen.

Musik-Link: „Meine Zeit steht in deinen Händen“ https://www.youtube.com/watch?v=QtMTswtYayg

„Weihnachts-Vorrat 2021”
Sommer von Ostern bis in den November, schon wieder von der Sonne verbrannte Gärten, der unverschuldete Verkehrsunfall, die „Fünf minus“ in Mathe, verschobene Taufen, Hochzeiten und Konfirmationen, runde Geburtstage „im engsten Familienkreis“, stornierte Urlaubsreisen, Kurzarbeit, Corona-Tests, Quarantäne und Maskenpflicht, „Magen-Darm“ pünktlich zum Beginn der Adventszeit.
So oder so ähnlich ist‘s gewesen. Das Jahr 2000. Oder?
Von wegen „alles gut“!
Ja, manches war auch gut, das stimmt schon. Aber im Leben ist niemals alles gut.
Und wenn Ihr heute, so ganz spontan, auf die Frage „Hattet Ihr ein schönes Weihnachtsfest?” mit „Leider nein” antwortet - dann ist das so, als ob Ihr in einen Vorratsschrank schaut, der fast leer ist.
Und dessen Inhalt doch für ein ganzes Jahr reichen soll!

Wo sind wir am Ende dieses Jahres angekommen?
Ist es das, wovon wir das ganze Jahr über leben: diese einmalige Atmosphäre zu Weihnachten?
Die gelöste Stimmung?
Die Wärme der geschmückten, gemütlichen Wohnung?
Die erlesenen Speisen und Getränke?
Die Freude über die Geschenke, über die strahlenden Kinderaugen?
Die körperliche und seelische Ruhe, die uns neue Kraft schöpfen ließ?
War das so? Aber wie lange hält das an? Reicht das bis zum 23.12.2021?
Also stimmt es doch, was da gesungen wird: „Ach, nur kurz sind solche Freuden - bald verlöscht der Kerzen Licht”?
Das wäre eigentlich schade. Und vor allen Dingen viel zu wenig für das ganze Jahr 2021.
Also, was können wir von Weihnachten nach 2021 mitnehmen, was weiter reicht?
Diese Frage wird umso drängender, wenn wir uns klarmachen, dass es viele Menschen gibt, bei denen fehlt zusätzlich eine ganze Menge von dem, was ich eben als Kennzeichen weihnachtlicher Freuden beschrieb.
Da fehlt in diesem Jahr viel von diesem Zauber, weil der Ehemann gestorben ist, weil die Mutter vorletzte Woche corona-positiv getestet wurde und jetzt im Klinikum ist, weil die Firma des Vaters 2021 wohl den aktuellen Lock-down kaum überleben wird, weil selbst das Weihnachtsfest die zerstrittenen Familien nicht versöhnen konnte.
Es gibt viele Menschen, die finden, dass das Wichtigste am Fest die Geschenke sind.
Aber welchen Sinn entdecken wir am Weihnachtsfest, der eben über das hinausgeht, was wir alle, ich auch, so sehr an Weihnachten schätzen, was aber allzu rasch - wie eine Kerze - verlöscht?
Welchen Sinn?

Was nehmen wir mit ins neue Jahr?
Was nehmen wir mit - in ein Jahr, dessen Probleme wir schon erahnen? Vielleicht hilft uns ein Satz der Engel auf den Feldern weiter. Den sie zu den Hirten gesprochen haben: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden.” (Die Weihnachtsgeschichte: Lukas 2, Vers 14)
Die Konflikte unserer Erde können wir alleine nicht lösen. Weder mit Kriegen noch ohne sie.
Und hier bei uns? In unseren Familien? Im Freundeskreis? In der Firma? In unserer Gemeinde? Im Verein?
Wir merken, dass immer wieder neue Konflikte auftauchen. Schon wieder ist ein Problem da - wo wir doch gerade erst eines gelöst hatten...
Manchmal haben wir dabei sogar ein bisschen Schadenfreude, weil wir merken: es passiert anderen auch.
Wer trägt daran die Schuld? Wer ist für die Probleme, die Katastrophen in unserer Welt und in meinem Leben verantwortlich?
Wer ist schuld? Gott? Ist Gott gescheitert?
Nein! Auf Erden ist Krieg, weil wir mit Gott Krieg führen!
Auf Erden geschehen Naturkatastrophen, weil wir über unsere Verhältnisse leben!
Gott hat Frieden gemacht. Er ist zu uns gekommen. Er hat uns seine Hand gereicht.
Er ist zu uns gekommen, hat für uns gelitten und ist für uns gestorben.
Gott kam zu uns Menschen und will uns unsere Schuld vergeben. Er ruft es uns zu.
Zum ersten Mal erging dieser Ruf, dieser Appell in der Heiligen Nacht auf den Feldern vor Bethlehem.
„Ehre SEI Gott in der Höhe, und es SEI Friede auf Erden.”
„Es sei”: das ist keine Feststellung, sondern eine Aufforderung!
Doch - nur wenige hörten diesen Ruf.
Zu wenige, denn der Krieg war meist stärker als der Friede, der Hass stärker als die Liebe, die Feindschaft stärker als die Freundschaft, die Lüge stärker als die Wahrheit, der Egoismus stärker, als dass mich mein Nachbar interessiert.
Warum?
Weil wir diesen Befehl Gottes im Jahr 2020 wieder nicht ernst genommen haben! Wir haben das nicht als unsere Aufgabe betrachtet: „Gott wird das schon machen...”.
Und weil wir das Kind in der Krippe nicht ernst genommen haben. Wir machten daraus das ‚Christkind‘, das die braven Kinder beschenkt.
Wir freuten uns mit den Kindern an den Krippenfiguren. Logisch.
Aber sind wir auch wieder von der Krippe weggegangen - in den Alltag?
Oder schweben wir noch auf weihnachtlichen Wolken?
So kann es geschehen, dass wir den Sinn des Weihnachtsfestes verlieren. 1, 2, 3 Tage „Süßer die Glocken nie klingen” - und dann?

Jetzt ist Silvester: Rückblick und Ausblick
Wir alle haben das Jahr 2020 mit dabei. Wie lange hat Weihnachten 2019 gewirkt?
Schon wieder haben wir es vergessen: dass das ein Befehl Gottes damals war: „Versöhnt euch! Sorgt für Gerechtigkeit!”
Das ist keine Ironie - Gott meint das ernst!
Es ist unsere Aufgabe, aus der Geburt Jesu Christi die Konsequenzen zu ziehen.
Das galt schon immer, und das wird auch immer gelten: für unsere Familien, die Nachbarschaft, für unsere Gemeinde.
Heute haben sich noch andere Probleme dazugesellt: Corona-Pandemie, Flüchtlingskrise, islamistischer Terror, Nordkorea, Iran, drohende Pleitewelle samt Bankenkrise usw.
Also: nicht nur der häusliche Friede sollte uns ein Thema sein, sondern auch der Weltfriede, der soziale und politische Friede in unserem Land.
Das heißt im Jahr 2021: Verständnis zu haben, für schwere Entscheidungen in der Firma.
Das heißt im Jahr 2021: Verständnis für unsere Regierung(en), Presbyterien und Kirchenleitungen zu haben, die auch unbequeme Entscheidungen treffen müssen. "Amerika, Deutschland, Tönisheide first" zu streichen. Statt dessen: "Gemeinsam Richtung Zukunft!"
Ja, es gibt auch Dinge in meinem Leben, die ich akzeptieren muss, weil ich sie nicht ändern kann. Ich kann nur lernen, damit zu leben. Und darauf zu vertrauen, dass Gott sie mit mir trägt.

Ich meine, es ist deutlich geworden, dass Weihnachten in seiner Bedeutung weit über das hinausgehen will, was wir das „Schöne” an Weihnachten nennen.
Klarstellung: Ich möchte es nicht missen, das Schöne! Das ist ja auch wirklich toll an Weihnachten!
Aber: die Hirten sind nicht im Stall geblieben. Nach einer gewissen Zeit war die heimelige Stimmung vorüber. Sie sind als veränderte Menschen zu ihren Schafen zurückgekehrt. „Sie priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten!”
Tun wir das auch? Das ganze Jahr über?
Wir können alles ganz schnell wieder vergessen, was Weihnachten 2020 bedeutet. Dann ist unser Vorratsschrank schon wieder fast leer.
Oder wir nehmen es mit: Weihnachten 2020 wirkt auch im nächsten Sommer noch!
Denken wir daran - an unsere Aufgaben und an Gott, der mit uns geht, uns immer zur Seite steht und uns treu begleitet: meistens „still und unerkannt”!
„Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen”, heißt es am Ende der Weihnachtsgeschichte.
So sorgt man für Vorrat, Vorrat für ein ganzes Jahr.
In diesem Sinne: Auf ein gutes, neues Jahr 2021! Amen.

Musik-Link: „Auld lang syne – Nehmt Abschied, Brüder“ https://www.youtube.com/watch?v=Al7ONqrdscY

Gebet (von Jochen Klepper, Evangelisches Gesangbuch, Lied 64)
„Der du die Zeit in Händen hast”
1. Der du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen.
Nun von dir selbst in Jesus Christ die Mitte fest gewiesen ist, führ uns dem Ziel entgegen.
2. Da alles, was der Mensch beginnt, vor seinen Augen noch zerrinnt, sei du selbst der Vollender.
Die Jahre, die du uns geschenkt, wenn deine Güte uns nicht lenkt, veralten wie Gewänder.
3. Wer ist hier, der vor dir besteht? Der Mensch, sein Tag, sein Werk vergeht: nur du allein wirst
bleiben. Nur Gottes Jahr währt für und für, drum kehre jeden Tag zu dir, weil wir im Winde treiben.
4. Der Mensch ahnt nichts von seiner Frist. Du aber bleibest, der du bist, in Jahren ohne Ende.
Wir fahren hin durch deinen Zorn, und doch strömt deiner Gnade Born in unsre leeren Hände.
5. Und diese Gaben, Herr, allein lass Wert und Maß der Tage sein, die wir in Schuld verbringen.
Nach ihnen sei die Zeit gezählt; was wir versäumt, was wir verfehlt, darf nicht mehr vor dich dringen.
6. Der du allein der Ewge heißt und Anfang, Ziel und Mitte weißt im Fluge unsrer Zeiten:
bleib du uns gnädig zugewandt und führe uns an deiner Hand, damit wir sicher schreiten.

Musik-Link: „Der Mond ist aufgegangen“ https://www.youtube.com/watch?v=9cXdSZX7wos

Fürbitten
Gott, wir danken dir, dass du uns durch dieses Jahr begleitet hast. Wir bitten dich um deinen Segen für das neue Jahr 2021. Wir wissen nicht, was auf uns zukommen wird.
Sei du auch weiterhin bei uns. Mit dir an unserer Seite können wir die Anforderungen unseres Lebens bewältigen.
Wir bitten dich um offene Ohren, die uns auch die leisen und unausgesprochenen Bitten unserer Mitmenschen hören lassen.
Sei den Menschen nahe, bei denen heute keine festliche Stimmung aufkommen kann, weil sie am Sinn ihres Lebens zweifeln und keine Perspektive für die Zukunft sehen.
Gib den Frauen und Männern der Telefonseelsorge, die gerade an diesem Abend und in dieser Nacht besonders viele Anrufe erhalten, offene Ohren und die rechten Worte, um Traurige zu trösten und Lebensmüde wieder aufzurichten.
Sei bei all den Menschen, die in dieser Nacht arbeiten müssen: Bei der Polizei, den Rettungsdiensten, bei der Bundeswehr, in den Krankenhäusern, den Altenheimen, bei den Energieversorgern, bei Rundfunk und Fernsehen.
Du bist unser Gott und unser guter Vater, der weiß, was wir nötig haben, noch ehe wir dich darum bitten. Wir danken dir und loben dich jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Vater Unser
Vater Unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen
Der Herr segne und behüte Dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und gebe Dir Frieden. Amen.

Musik-Link: „The day thou gavest, Lord, is ended - Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen” https://www.youtube.com/watch?v=1zomyd5dVfM&list=RDisACIyHXBB0


Pfarrer Wolfhard E. Günther, Ev. Kirchengemeinde Velbert-Tönisheide, 31.12.2020

 

 


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HEILIGABEND 2020 - Weihnachten ist trotzdem!
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Weihnachten 2020

Wir feiern Weihnachten - in diesem Jahr, in dem so vieles ganz anders war und ist.
Wir feiern Weihnachten - in diesem Jahr, das viele gerne aus ihrem Kalender streichen würden.
Wir feiern Weihnachten.
Denn Weihnachten ist trotzdem!
Gott sei Dank!

Musik-Link: 'Herbei, o ihr Gläubigen' https://www.youtube.com/watch?v=8Rd1wg6RFts
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Jesaja 9, 1-6: Gottes Verheißung. Licht in der Dunkelheit.
Wenn wir Weihnachten feiern, erinnern wir uns an das große Versprechen, das Gott der Welt gegeben hat. Der Prophet Jesaja schreibt:
Ein helles Licht wird im Dunkeln aufleuchten.
Das Licht ist stärker als Angst und Leid, als Krieg und Streit.
Alle, die traurig sind, werden froh.
Alle, die verzweifelt sind, werden getröstet.
Alle, die unglücklich sind, werden fröhlich.
Alle sollen sich freuen. Alle dürfen hoffen.
Es wird ein Kind geboren werden. Es wird ein mächtiger König werden.
Ein König des Friedens. Ein König der Freude.
Dieser König ist stärker als der Krieg und stärker als der Tod.
In seinem Reich wird immer Wohlergehen sein.

Die Weihnachtsgeschichte (Lukas 2, 1-7)
Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.
Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.
Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger.
Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Musik-Link: 'Mary’s Boychild' https://www.youtube.com/watch?v=zbA0hdPZh0c

Die Weihnachtsgeschichte (Lukas 2, 8-14)
Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.
Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.
Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

Musik-Link: 'Hört der Engel helle Lieder' https://www.youtube.com/watch?v=JkQ4iRIAUNI

Die Weihnachtsgeschichte (Lukas 2, 15-20)
Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.
Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.
Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.
Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.
Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Musik-Link: 'In der Nacht von Bethlehem' https://www.youtube.com/watch?v=PNZwWrKyhpA

„Weihnachten ist trotzdem!”
Es ist Heiliger Abend.
Das Fest der Liebe ist da.
Gute Stimmung ist angesagt.
„Ehre sei Gott in der Höhe“! Das sollte doch eigentlich jeder Mensch am Heiligen Abend singen.
Aber nicht jeder kann es. Da bin ich mir sicher. Große Freude? Na ja...
Ich denke da an den Herrn X.
Der hat mit dem Weihnachtsgeschehen nichts im Sinn. Nicht mehr. Dieses Jahr schon gar nicht – wo er nicht mal in seine Stammkneipe gehen kann. Die ist geschlossen - wegen Corona.
Er sitzt alleine in seinem Wohnzimmer auf dem Sofa.
Er ist nicht in der Stimmung, Gott zu loben und „Ehre sei Gott in der Höhe“ zu sagen.
Nein, für ihn trifft das nicht zu. Ihm geht es schlecht.
Vielleicht ist er einsam?
Vielleicht hat er Kummer?
Vielleicht hat er Sorgen und Angst?
Vielleicht ist er gerade arbeitslos geworden?
Vielleicht ist jemand gestorben, den er liebte?
Aber: Weihnachten ist trotzdem! Denn Gott hat beschlossen, gerade auch für ihn als Mensch geboren zu werden.
Herr X schließt die Augen. Der Weihnachtsstern leuchtet immer noch.
Denn Weihnachten ist trotzdem!

Schon als Kinder haben wir es gelernt: zum Weihnachtsfest gehört eine festliche Stimmung.
Und bei den Kindern klappt das ja auch meist ganz gut.
Am besten, es fällt Schnee.
Auf jeden Fall müssen Plätzchen oder Stollen gebacken werden.
Auf jeden Fall muss der Weihnachtsbaum geschmückt werden.
Auf jeden Fall soll Harmonie in der Familie herrschen - es soll gemütlich sein.
Das alles gehört dazu. Dann kommt die richtige Weihnachtsstimmung auf.
Aber was denn, wenn der Heilige Abend kommt und bei uns diese Weihnachtsstimmung eben nicht aufkommt? So Stimmungstöter gibt‘s ja eine ganze Menge!
Was denn dann? Fällt dann Weihnachten aus?
Nein – Weihnachten ist trotzdem!
Was in Bethlehem damals geschah, das gilt trotzdem.
Haben Sie einen Weihnachtsbaum geschmückt? Und sich dann daran erfreut? Gut. Vielleicht haben Sie ihn ja sogar kurz vor dem Lock-Down für die Hälfte gekriegt. Super! Zumindest für Sie…
Waren Sie in diesem Jahr gar nicht in Stimmung, einen Weihnachtsbaum zu kaufen und zu schmücken?
Oder Sie haben es nur widerwillig und ohne Freude daran getan?
Oder Sie haben gar keinen Baum?
Das ist alles ok.
Denn Weihnachten ist trotzdem!
Weil Gott beschlossen hat, zu uns zu kommen. Als Mensch unter Menschen - zu uns. Mit und ohne Weihnachtsbaum!
Und - haben Sie Plätzchen gebacken? Gut.
Oder sind Sie noch nicht dazu gekommen? Oder sind Ihnen die Plätzchen vielleicht in der Hektik der Adventszeit im Ofen verbrannt? Auch gut.
Weihnachten ist trotzdem.
Weil Gott beschlossen hat, zu uns zu kommen!
Als Mensch unter Menschen - zu uns, die wir eben nicht alles schaffen, weil unsere Kraft begrenzt ist.
Daran ändert auch eine missratene Weihnachtsbäckerei nichts.
Haben Sie schon so richtige Harmonie in der Familie? Haben Sie es gemütlich? Gut.
Haben Sie gerade Streit im Haus? Das kann passieren.
Weihnachten ist trotzdem!
Weil Gott beschlossen hat, zu uns zu kommen!
Als Mensch unter Menschen, wo es immer wieder Streit gibt. Daran ändert auch der momentane Krach mit unseren Kindern, Eltern oder Partnern nichts.
Das ist doch tröstlich: es wurde damals in Bethlehem Heiliger Abend, obwohl Maria und Josef in einem Stall unterkriechen mussten und deshalb bestimmt nicht in bester Stimmung waren.
Und es ist alle Jahre wieder Weihnachten - ob wir dafür nun in Stimmung sind, oder nicht.
Es ist doch so: Stimmungen kommen und Stimmungen gehen.
Gottes Wille steht fest. Gottes Handeln kann nichts und niemand verhindern.
Weihnachten wird es nicht, weil wir in richtiger Stimmung sind und die Plätzchen besonders gut schmecken.
Weihnachten wurde es damals in Bethlehem, weil Gott es wollte!

Auch in diesem schwierigen Jahr ist es wieder Weihnachten, weil Gott es will!
Denn Gott ist Mensch geworden.
Das müssen Sie sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Gott – ist – Mensch – geworden!
Gott schlüpfte in unsere Haut. Er wurde einer von uns.
Damit wir ihn erkennen und wiederfinden können.
Ihn, unseren Herrn und unser Zuhause bei ihm.
Gott schlüpfte in unsere Haut, bis sie ihm am Ende in Fetzen vom Leib hing. Gefoltert und geprügelt!
Diese Menschenhaut Gottes trug den Namen ‚Jesus‘.
In ihm fühlte Gott mit uns,
in ihm lachte Gott mit uns,
in ihm weinte Gott mit uns,
in ihm lebte Gott für uns,
in ihm starb Gott für uns.
Gott für uns. Gott mit uns.
Damals. Und heute immer noch! Und morgen auch noch!
Jesus, der Unschuldige, lässt sich alle unsere Schuld aufladen.
Und wir, die wir eigentlich diese Schuld zu tragen hätten, wir werden nicht bestraft.
Eigentlich hat Jesus ewiges Leben, aber er geht in den Tod. Um es uns zu bringen, das ewige Leben.
Bin ich fröhlich – ist er bei mir.
Bin ich traurig – ist er bei mir.
Bin ich niedergeschlagen – ist er bei mir.
Bin ich im Stress – ist er bei mir.
Bin ich frei und unbelastet – ist er bei mir.
Bin ich krank – ist er bei mir.
Bin ich gesund – ist er bei mir.
Bin ich jung – ist er bei mir.
Bin ich alt – ist er bei mir.
Lebe ich – ist er bei mir.
Sterbe ich – ist er bei mir.
Wie die Luft, die ich atme, ist er in mir.
Wie das Wasser, in dem ich schwimme, ist er um mich und trägt mich.
Ob ich es nun weiß oder nicht.
Ob ich es zur Kenntnis nehme oder nicht.
Ich muss das nur für mich annehmen und gelten lassen.
Dann fühle ich mich besser. Und dann geht’s mir besser. Bei dem einen geht das schnell, bei dem anderen dauert es länger.

Heute sind wir eingeladen, uns dem Kind in der Krippe zuzuwenden.
Sie können sich freuen, dass Gott Ihnen ganz nahe ist. So nahe, wie die Luft, die Sie atmen oder das Wasser, in dem Sie schwimmen und das Sie trägt.
Nur atmen und schwimmen müssen Sie selbst: glauben und vertrauen. Als wir kleine Kinder waren, da konnten wir alle schwimmen - und glauben.
Dann haben wir diese Fähigkeit verloren.
Angst, Zweifel und Lebenskrisen lassen uns untergehen.
Wir mussten das Schwimmen wieder neu lernen.
Und zu glauben, das müssen wir auch immer wieder neu lernen. Das ist gar nicht so einfach!
Ich möchte Ihnen heute Mut machen: haben Sie Vertrauen. Gott trägt!
Egal, was wir mitbringen - an Sorgen, Nöten und anderen Hindernissen, Weihnachten ist doch trotzdem!
Wenden Sie sich doch einfach an den, der in der Krippe liegt. Vielleicht so: „Danke, Herr Jesus Christus, dass du auch am Ende dieses schwierigen Jahres wieder zu mir in diese Welt gekommen bist. Danke, dass es trotzdem Weihnachten ist! Amen.“

Musik-Link: 'Stille Nacht' https://www.youtube.com/watch?v=OvJ1HlJCd9Y

Fürbitten
Unser Gott, Du schenkst uns dieses Weihnachtsfest, das so ganz anders ist.
Komm, Gott, bring‘ Licht auf unseren Weg.
Damit es das Dunkel durchdringt, wenn wir Angst haben und mutlos sind.
Wir denken an all die Finsternis und das Leid, das diese Pandemie zu so vielen bei uns und auf der ganzen Welt gebracht hat.
Stärke alle, die krank sind oder in Sorge Weihnachten feiern.
Stärke alle, die heute einsam sind.
Stärke die, die sich um die Kranken kümmern. Sei bei denen, die an den Feiertagen arbeiten: in den Krankenhäusern und Pflegeheimen, bei der Polizei, der Feuerwehr, den Rettungsdiensten. Bei der Bundeswehr, den Energieversorgern, bei Rundfunk und Fernsehen.

Vater Unser
Vater Unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen
Der Herr segne und behüte Dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und gebe Dir Frieden. Amen.


Musik-Link: 'O du fröhliche'
https://www.youtube.com/watch?v=n7K8le1pbsQ


Musik-Link: 'Von guten Mächten'
https://www.youtube.com/watch?v=aN7dGz6NH5M

 

Pfarrer Wolfhard E. Günther, Ev. Kirchengemeinde Velbert-Tönisheide, 24.12.2020