„Und was ist mit uns?“

Dienstagmorgen - im Drogeriemarkt. Es ist der 17. März 2020.

Wir stehen an der Kasse. Die Kassiererin spottet über uns Deutsche, die Klopapier und Mehl hamstern. Wenn wir es wenigstens so, wie die Franzosen machen würden: die hamstern Rotwein und Kondome.

Alle lachen. Noch. Und dann kommen die Generationen an der Kasse ins Gespräch.

Eine junge Frau, Mitte 20, formuliert ihre jugendliche Lebenszuversicht: „Ich mache mir keine Sorgen, bei uns jungen Leuten soll der Krankheitsverlauf recht harmlos sein.“ Die Mittelalten sind die, die vorsorgen: mit Klopapier, Nudeln, Reis und diversen Putz- und Waschmitteln im vollen Einkaufswagen.

Schließlich fragt ein älterer Herr - so um die 80 Jahre alt - in einer Gesprächspause: „Und was ist mit uns?“ ...


Unser Presbyterium hat gestern Abend beschlossen, den allgemeinen Vorgaben und Anordnungen zu folgen: in unserer Ev. Kirchengemeinde Tönisheide finden keine Veranstaltungen mehr statt. 

Keine Gottesdienste, keine Taufen, keine Trauungen, keine Konfi-Treffs, keine Gruppen und Kreise, keine Feiern, keine Besuche zum Geburtstag.

Das Gemeindehaus ist geschlossen. Die Kirche auch. Bis auf weiteres.

Erst einmal bis zum Gründonnerstag, an dem wir uns sonst zum Passah-Mahl getroffen haben. 

Der Publikumsverkehr im Gemeindebüro wird bis auf weiteres eingestellt. Telefonische Anfragen werden entgegengenommen, die Nachrichten des Anrufbeantworters werden abgehört und beantwortet, E-Mails werden entsprechend bearbeitet. 

Die Konfirmationen Ende Mai werden noch nicht verschoben. Wir warten hier die Entwicklung bis nach den Osterferien noch ab. 

Herr Pfr. Günther und Herr Pfr. Schneider informieren die Taufeltern über die Unsicherheit der Gottesdienstfeiern der kommenden Zeit. Sie klären mögliche frühzeitige Absagen mit den Taufeltern.

Da es unsicher ist, ob nach dem 09.04.2020 unsere Kirche weiterhin geschlossen bleibt, sollen die verantwortlichen Pfarrer mit dem jeweiligen Brautpaar klären, wie kurz- oder langfristig die Trauung abgesagt werden soll. Wenn die Kirche geschlossen bleibt, weil Gottesdienste verboten sind, wird es auch keine Trauungen geben. Dies gilt auch für die weiteren geplanten Trauungen, da wir den Zeitrahmen nicht einschätzen können.

Bis auf weiteres sollen Beerdigungen nur im engsten Familienkreis durchgeführt werden. Es gibt keine Trauerfeier in der Kapelle. Es gibt kein Beerdigungskaffeetrinken. Die Kapelle bleibt geschlossen. Max. 10 Personen treffen sich mit dem entsprechenden Sicherheitsabstand vor der Friedhofskapelle. Gemeinsamer Weg zum Grab. Kurzes Gedenken am Grab. Verabschiedung, christliche Bestattung.

Wir werden, wenn wieder Gottesdienste stattfinden dürfen, einen Gedenkgottesdienst für alle Verstorbenen anbieten. Dies soll den Angehörigen Mut machen, den Kreis der Eingeladenen so klein wie möglich zu halten.

Bis auf weiteres werden alle Besuchsdienste eingestellt. Grußkarten und Telefonate überbringen die Gratulationen und guten Wünsche. 

... Wir tun das alles aus voller Überzeugung, dass es richtig ist. 

Damit wir auf die Frage des älteren Herrn im Drogeriemarkt antworten können: Doch, wir haben an Dich gedacht, wir wollen Dich schützen. Und alle anderen auch. Auch uns.

Gott befohlen - und bleiben Sie gesund!

Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott Dich fest in seiner Hand.

Pfarrer Wolfhard Günther

 

weitere Informationen des Kirchenkreises Niederberg